The Cabinet: ein Büroangestellter verwaltet unmögliche Leben

Herr Kong betreut einen Aktenschrank voller Menschen, die sich gewöhnlichen Erklärungen entziehen. Aus einer Fingerspitze wächst ein Baum; ein Anrufer möchte eine Katze werden. In Un-su Kims The Cabinet unterbrechen solche Lebensgeschichten den Büroalltag. Die Frage, was einen Menschen ausmacht, begegnet uns in kleinen Forderungen, beunruhigenden Körpern und Geschichten, die sich kaum ordentlich ablegen lassen. Wer absurde Arbeitswelten mag und sich für die Nöte dieser Menschen interessiert, kann den Verbindungen zwischen ihren Geschichten folgen.

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Redaktionelle Einschätzung, keine exakte Messung

Auch ein außergewöhnlicher Mensch kann ein Aktenvorgang sein

Schrank 13 enthält Unterlagen über sogenannte Symptomträger, deren ungewöhnliche Körper oder Erfahrungen auf eine neue Spezies hindeuten könnten. Angry Robot stellt ihren Verwalter, Herrn Kong, als überlasteten Büroangestellten vor. Seine Verwaltungsarbeit schafft einen vertrauten Zugang zur fantastischen Ausgangslage: Auch beim Unerklärlichen muss jemand ans Telefon gehen.

Zwischen der Not eines Menschen und ihrer Erfassung entsteht die Spannung dieser Anlage. Eine Akte verspricht eine geordnete Darstellung; die Person dahinter kann weiter Forderungen stellen. Beim Lesen lohnt sich deshalb die Aufmerksamkeit dafür, wie Institutionen aus Lebensgeschichten handhabbare Kategorien machen.

Der Wunsch nach einem anderen Körper

Der Verlag nennt einen Mann, dem ein Ginkgobaum aus der Fingerspitze wächst, und einen Anrufer, der wiederholt darum bittet, eine Katze zu werden. Beide sprengen die Vorstellung eines gewöhnlichen Menschenlebens. Beim Anrufer kommt zum seltsamen Zustand ein Wunsch hinzu: Die Verwandlung könnte Erleichterung versprechen.

Kims Literaturagentur stellt diesen Wunsch neben Menschen, die unerwünschte Erinnerungen löschen und durch erfundene ersetzen. Solche Prämissen lassen fragen, wovor jemand fliehen möchte und was eine Verwandlung kosten könnte. Körperliche Fremdheit und schmerzhafte Lebensumstände lassen eine unbehaglichere Lektüre erwarten, als der komische Ausgangspunkt allein vermuten lässt.

Den Verbindungen zwischen den Akten folgen

LTI Korea beschreibt den ursprünglichen Roman als episodisch angelegtes Werk mit etwa zwanzig Einzelerzählungen. Laut der Agentur verweben sich diese mit dem Leben des Erzählers. Daraus ergibt sich ein möglicher Zugang: darauf achten, was jede Geschichte zum Verständnis des Sammlers beiträgt.

Eine Episode kann eine frühere in anderem Licht erscheinen lassen, ohne deren unmittelbare Handlung fortzusetzen. Wer gern Muster über verschiedene Leben hinweg entdeckt, hat einen guten Grund, diese Form auszuprobieren. Wer einen einzelnen Fall von seiner Entdeckung bis zur Lösung verfolgen möchte, sollte mit einer anderen Bewegung rechnen.

Auch der Verwalter hat eine Vergangenheit

Die Agentur ergänzt Herrn Kongs scheinbare Gewöhnlichkeit um eine lange Phase, in der er von Dosenbier lebte. Der Mann, der die eigentümlichen Geschichten anderer bewahrt, hat selbst eine schwierige Vergangenheit. Seine Position neben dem Schrank stellt ihn nicht außerhalb der Frage, wie Menschen ihr Leben bewältigen.

Neben den spektakulären Körpern verdient daher auch der Bürorahmen Aufmerksamkeit. Wie groß ist der Abstand zwischen jemandem, der eine Erfahrung dokumentiert, und der Person, die dadurch eingeordnet wird? Die Anlage des Romans führt beide im selben Erzählraum zusammen. Mitgefühl muss dabei eine unbequeme berufliche Grenze überschreiten.

Platz für Leben, die sich einer Erklärung entziehen

Im Gespräch mit Anna J. Park erklärte Kim 2019, dass er verständliche Wörter suche und durch Literatur ein anderes Leben erfahrbar machen wolle. Wie die Leser danach leben, überlasse er ihnen. Das beschreibt seinen allgemeinen Zugang zum Erzählen; es ist kein Urteil über jede einzelne Episode dieses Romans.

Für The Cabinet bietet sich damit an, neben den einfallsreichen Zuständen auch die Menschen zu verfolgen. Die Prämisse passt zu Neugier auf Unzufriedenheit und den Druck, gewöhnlich zu wirken. Körperliches Unbehagen und wechselnde Schwerpunkte sollte man zulassen können. Eine straff durchgehende Ermittlung oder eine gleichbleibend tröstliche Stimmung wäre eine unsichere Erwartung.

Drei Richtungen zum Weiterlesen

The Employees · Olga Ravn

Auch Olga Ravn lässt institutionelle Aufzeichnungen Fragen nach Körpern, Bindungen und Menschsein tragen.

Der Unterschied: Ihre Aussagen stammen von menschlichen und humanoiden Beschäftigten auf einem Raumschiff. Diese kollektive Dokumentform verschiebt den Blick gegenüber Kong, einem Verwalter mit eigener Geschichte.

The Factory · Hiroko Oyamada

Auch Hiroko Oyamada führt seltsames Leben in eine scheinbar gewöhnliche Arbeitswelt ein.

Der Unterschied: Drei Beschäftigte schreddern Papier, lesen Korrektur und erforschen Moos in einem ausgedehnten Industriekomplex. Hier steht die anhaltende Ungewissheit über den Arbeitsplatz selbst im Vordergrund; Schrank 13 sammelt viele unterschiedliche Leben.

Die Ladenhüterin · Sayaka Murata

Auch Sayaka Murata fragt, was geschieht, wenn die Lebensweise eines Menschen die Erwartungen anderer irritiert.

Der Unterschied: Keiko findet im Convenience Store eine berufliche Identität, während andere sie zu einem konventionellen Erwachsenenleben drängen. Der Schwerpunkt auf ihrer gesellschaftlichen Stellung eröffnet einen anderen Zugang als Kims Sammlung unmöglicher Zustände.

Fragen vor der Lektüre

Hängt The Cabinet mit The Plotters zusammen?

Es sind eigenständige Romane. LTI Korea datiert das koreanische Original von The Cabinet auf 2006; die Agentur führt The Plotters als späteres Werk mit eigenen Figuren und eigener Handlung. Vorwissen daraus ist nicht erforderlich.

Ist das eine Sammlung unverbundener Kurzgeschichten?

LTI Korea beschreibt einen episodischen Roman mit etwa zwanzig Erzählungen. Laut der Agentur sind sie mit dem Leben des Erzählers verflochten. Zu erwarten sind verbundene Geschichten in einem Bürorahmen; keine der beiden Quellen verspricht einen durchgehend untersuchten Kriminalfall.

Auf welche englische Übersetzung bezieht sich diese Einführung?

Auf Sean Lin Halberts 2021 bei Angry Robot erschienene Übersetzung. Das koreanische Original heißt 캐비닛. Die Sprache dieser Einführung belegt keine Kindle-Ausgabe in derselben Sprache. Prüfe dafür die gesonderten Editionsangaben deines Marktes.

Quellen und redaktionelle Einordnung

Diese Einführung vor der Lektüre stützt sich auf Verlag und Literaturagentur, LTI Koreas Angaben zu Original und Übersetzung sowie Kims direktes Interview mit Anna J. Park. Weder eine Romanleseprobe noch der vollständige Roman wurde gelesen. Deutungen, Eignungshinweise und Vergleiche stammen von FolioRoam; sie belegen weder das Ende noch das Tempo des Gesamtwerks oder eine vollständige Übersicht belastender Inhalte.

  1. Angry Robot · The Cabinet, English ebook and publisher premise
  2. Barbara J. Zitwer Agency · Un-su Kim, The Cabinet premise and structure
  3. LTI Korea / KLWAVE · The Cabinet, original publication and episodic form
  4. LTI Korea · The Cabinet English translation record
  5. The Korea Times / Anna J. Park · Direct interview with Kim Un-su (December 26, 2019)
  6. New Directions · The Employees, publisher premise
  7. New Directions · The Factory, publisher premise
  8. Grove Atlantic · Convenience Store Woman, publisher premise
  9. Amazon US · Existing English Kindle reference B08T5V9YBK (current offer not freshly checked)

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