My Brilliant Friend: warum Elena Lila immer wieder folgt

Lila ist verschwunden, und Elena ist wütend. Als sie ihre Kindheit aufschreibt, steckt selbst in liebevollen Erinnerungen ein alter Groll: Lila konnte sie verletzen und zugleich die Person sein, die sie am liebsten bei sich hatte.

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Teil einer ReiheMittelTempo: Gleichmäßig

Redaktionelle Einschätzung, keine exakte Messung

Eine wütende Frau am Schreibtisch

Lilas Sohn Rino ruft Elena an, weil seine Mutter verschwunden ist. Elena hat wenig Geduld mit ihm. Als er bei ihr bleiben möchte, weil er nicht schlafen kann, weist sie ihn ab. Ein schroffer Einstieg in einen Roman über Freundschaft: Noch bevor wir die Mädchen kennenlernen, begegnen wir einer Frau, die grausam sein kann.

Lila hat ihre Sachen entfernt und sich aus Familienfotos herausgeschnitten. Elena schreibt aus Wut ihre gemeinsame Vergangenheit auf. Sie will diesen neuen Wettstreit gewinnen. Jede erinnerte Freundlichkeit wird damit von jemandem erzählt, der noch eine Rechnung offen hat. Wir können Elena zuhören, ohne ihre Erklärung von Lila für endgültig zu halten. Ihre Nähe gibt ihr viel zu erzählen und viel, worüber sie streiten kann.

Der Ärger beginnt mit einer Puppe

Die frühen Spiele sind unbeholfen. Elena übernimmt Lilas Ideen und verändert dabei die Worte; ein Flaschenverschluss wird zur Krone. Auch beim Nachahmen fällt ihr etwas Eigenes ein. Die andere zu beobachten hilft ihr, sich ihr weniger fern zu fühlen.

Dann lässt Lila Elenas Puppe durch ein Kellergitter fallen. Sie weiß, dass Elena Angst vor dem Dunkel darunter hat. Diese Gemeinheit lässt sich schwer entschuldigen, und Ferrante tut es auch nicht. Elena sucht trotzdem weiter die Nähe des Mädchens, das ihr gerade einen Grund gegeben hat, Abstand zu halten.

Zwei Stufen hinter ihr

Als Lila zu Don Achilles Wohnung vorausgeht, folgt Elena ihr voller Angst. In ihrer Vorstellung ist der Mann ein Ungeheuer. Beim vierten Treppenlauf wartet Lila und reicht ihr die Hand.

Bei einer verlässlich sanften Freundin wäre die Geste weniger bewegend. Gerade weil Lila sie erschreckt hat, verändert ihre Hilfe, was Elena aushält. Lila bestimmt das Tempo, bemerkt aber auch das Mädchen hinter ihr. Sie lässt Elena klein erscheinen und hilft ihr zugleich bei etwas, das sie allein nicht schaffen würde.

Elena kann ihre eigene Angst genau schildern; bei Lila muss sie beobachten und vermuten. Wir erfahren, was es Elena kostet, ihr zu folgen. Lilas Gefühle bleiben schwerer einzuordnen. Die ausgestreckte Hand gibt uns eine Handlung zu beurteilen, ohne ihren Charakter festzulegen.

Was das Viertel ihnen beibringt

Der erste Band begleitet die Mädchen von der Kindheit ins Jugendalter, in einem armen Viertel Neapels der 1950er Jahre. Elenas Wunsch, mit Lila mitzuhalten, enthält Scham und Angst, zurückzubleiben. Ein Vorsprung könnte Erleichterung bringen, würde aber auch ihre Freundschaft verändern. Ehrgeiz hat für die beiden einen persönlichen Preis, lange bevor sie fortgehen könnten.

Ferrante erklärt Merve Emre, dass Lesen und Lernen Elena einen Weg aus dem Viertel eröffnen. Das macht ihre Abhängigkeit von Lila unbequem. Sie verdankt einen Teil ihres Mutes dem Mädchen, mit dem sie konkurriert. Erfolg könnte sie von Lila entfernen, während der Wunsch bleibt, sie zu beeindrucken.

Eine Freundschaft, die schwer zu mögen ist

My Brilliant Friend ist ein vielversprechender Einstieg für Leser, die Neid zwischen Freunden interessiert, besonders kleine Demütigungen neben großer Bewunderung. Elena macht ihre eigene Abhängigkeit sichtbar. Sie erinnert sich daran, Lila folgen zu wollen, obwohl sie Gründe hatte, fortzugehen. Die Erzählung bleibt bei dieser beschämenden Bindung, bis wir sie besser verstehen.

Die Härte kann abschrecken. Wer tröstliche Gemeinschaft sucht, trifft zunächst eine zornige Erzählerin; zudem eröffnet der Band eine vierteilige Geschichte. In Ann Goldsteins englischer Übersetzung ziehen die Anfangsseiten uns nah an Gefühle heran, die Elena nicht vorzeigbar machen kann. Wenn sie Lila beschreibt, zeigt sie auch sich selbst.

Drei Richtungen zum Weiterlesen

The Door · Magda Szabó

Magda Szabós The Door lässt eine Schriftstellerin auf ihre schwierige Bindung zur Haushälterin Emerence zurückblicken. Auch hier macht Zuneigung die Erzählerin nicht frei von Verantwortung.

Der Unterschied: Die Frauen lernen sich als Erwachsene in Ungarn kennen. Hausarbeit und gegenseitige Abhängigkeit bestimmen diesen einzelnen Roman.

The Eight Mountains · Paolo Cognetti

Paolo Cognettis The Eight Mountains begleitet Pietro und Bruno vom Jungenalter in unterschiedliche Erwachsenenleben. Die Freundschaft verändert sich mit den Entscheidungen, fortzugehen oder zu bleiben.

Der Unterschied: Die Freunde sind Männer; Pietro und sein Vater und die italienische Bergwelt stehen im Mittelpunkt. Familienerbe tritt neben die Freundschaft.

The Summer Book · Tove Jansson

Tove Janssons The Summer Book zeigt ein Mädchen und seine Großmutter, die sich streiten und füreinander sorgen. Kleine Gesten verändern auch hier ihre Nähe.

Der Unterschied: Kurze Episoden auf einer finnischen Insel ergeben eine knappere, ruhigere Lektüre. Der Altersunterschied prägt die Bindung stärker als Konkurrenz unter Gleichaltrigen.

Fragen vor der Lektüre

In welcher Reihenfolge liest man die neapolitanische Tetralogie?

Die Reihenfolge lautet My Brilliant Friend, The Story of a New Name, Those Who Leave and Those Who Stay und schließlich The Story of the Lost Child. Europa Editions nennt sie als die vier Bände, die von 2012 bis 2015 auf Englisch erschienen.

Sind Lina, Lila und Raffaella verschiedene Figuren?

Es ist dieselbe Frau: Raffaella Cerullo heißt sie vollständig, andere nennen sie Lina, Elena nennt sie Lila. Rino, der Elena im Prolog anruft, ist ihr Sohn.

Ist der italienische Roman vollständig im neapolitanischen Dialekt geschrieben?

Ferrante verneint das: Der Roman verwendet einen dialektalen Sprachrhythmus und kurze neapolitanische Einschübe. Im Interview unterscheidet sie diese Entscheidung von der umfassenderen Rekonstruktion des Vierteldialekts für die Fernsehadaption.

Quellen und redaktionelle Einordnung

Direkt gelesen wurden der Prolog und die Kindheitskapitel 1 bis 3 im autorisierten englischen Bookreporter-Auszug. Europa Editions und Ferrantes Interview mit Merve Emre von 2018 ergänzen den Kontext. Den vollständigen Roman haben wir für diesen Text nicht gelesen. Deutungen und Vergleiche stammen von FolioRoam; die verlinkten Verlage belegen die Prämissen der empfohlenen Bücher.

  1. Europa Editions · My Brilliant Friend, premise and Neapolitan Quartet
  2. Bookreporter · Published My Brilliant Friend excerpt, Prologue 1–3 and Childhood 1–3
  3. Elena Ferrante · Direct 2018 interview with Merve Emre, translated by Ann Goldstein
  4. New York Review Books · The Door
  5. Penguin / Vintage · The Eight Mountains English ebook
  6. New York Review Books · The Summer Book
  7. Amazon US · Existing English Kindle reference B079MGWXK6 (current offer not freshly checked)

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